Lebensgemeinschaften für Menschen
mit und ohne geistige Behinderungen

Carolin Stellbrink war in der Arche Aigrefoin in der Nähe von Paris/Frankreich

Angenommen sein, geduldig sein und vertrauen

Das verbindet Carolin Stellbrink mit ihrer Zeit in einer Arche-Gemeinschaft in Frankreich 2001/02. Warum es sich lohnt, sich darauf einzulassen und es immer wieder aufs Neue zu versuchen, beschreibt sie im folgenden Beitrag.

 

Meine Arche-Zeit liegt nun schon viele Jahre zurück: Nach dem Abitur war ich von Juli 2001 bis August 2002 in Aigrefoin in St-Rémy-lès-Chevreuse in der Nähe von Paris. Dort lebte ich im Foyer de l’Aurore gemeinsam mit sieben Bewohnerinnen und Bewohnern und vier anderen Assistentinnen und Assistenten. Ich war als Foyer-Assistentin eingeteilt und wurde im Herbst die responsable des Foyers, die Foyer-Verantwortliche.

 

Angenommen sein

Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, überkommt mich das Gefühl des Angenommen-Seins. Es ist dieses Gefühl, das für mich die Arche maßgeblich ausmacht und das mich in meinem Jahr in der Gemeinschaft am meisten geprägt hat. Angenommen fühlte ich mich von Anfang an. Ich kam blutjung und unerfahren aus einer kleinen Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, sprach mehr schlecht als recht Französisch, hatte noch nie im Leben eine Waschmaschine angestellt, konnte gerade so Spaghetti kochen und hatte vor allem noch nie mit Menschen mit Behinderungen zu tun gehabt. Das alles war den Arche-Bewohnerinnen und -Bewohnern sowie den anderen Assistentinnen und Assistenten herzlich egal. Sie freuten sich, dass ich da war, um mit ihnen zusammenzuleben.

Schnell begriff ich, dass es genau darum in der Arche geht: um das Zusammenleben unterschiedlicher Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Schwierigkeiten und Fähigkeiten. Nicht mehr und nicht weniger.

 

Geduldig sein

Als hierfür besonders wichtig habe ich die Fähigkeit zum Geduldig-sein erlebt. Ich war berührt, wie viel Geduld mir von allen Seiten entgegengebracht wurde: Meine Kochkünste wurden nur sehr langsam besser, manche französischen Wörter mussten mir mehrmals erklärt werden. Gleichzeitig war ich überrascht, wie viel Geduld ich selbst aufbringen konnte. Bei manchen Bewohnerinnen und Bewohnern dauerte es ewig, bis sie gewillt waren, sich anzuziehen oder zum Essen zu kommen…

Vertrauen schenken

Überrascht und berührt war ich außerdem angesichts dessen, wie viel Vertrauen mir von Anfang an sowohl von den Bewohnerinnen und Bewohnern als auch von den Hauptverantwortlichen entgegengebracht wurde. Zum Beispiel war es für die

 

 

Hauptamtlichen selbstverständlich, dass ich schon sehr bald die Schecks für die Foyer-Ausgaben unterschreiben, den Foyer-Kleinbus fahren und Medikamente austeilen durfte.

Für die Bewohnerinnen und Bewohnern wiederum war es völlig normal, dass ich ihnen beim Baden und Duschen half. Dies berührte mich umso mehr, als ich selbst hiermit zuerst durchaus Probleme hatte und mich unsicher fühlte. Je mehr ich aber die einzelnen Bewohnerinnen und Bewohner kennenlernte und sie dadurch für mich eigene Persönlichkeiten wurden und nicht mehr Menschen mit Behinderungen waren, wurde auch für mich diese Unterstützung ganz selbstverständlich.

 

Es immer wieder aufs Neue zu versuchen, lohnt sich

Heute mache ich nichts, was mit dieser Arche-Zeit direkt in Verbindung stehen würde. Aber diese Zeit war für mich so wichtig und besonders, dass sie mich bis heute prägt. Das Gefühl des Angenommen-seins versuche ich weiterzugeben. Ich bemühe mich, mit anderen und auch mit mir selbst Geduld zu haben und Vertrauen zu schenken. Das ist nicht immer leicht und funktioniert nicht immer. Aber meine Zeit in der Arche hat mir gezeigt, dass es sich immer wieder lohnt, es zu versuchen.

Und ich habe Freundschaften in der Arche geschlossen, die bis heute halten. Immer, wenn wir uns wiedersehen, rückt diese Zeit für mich wieder ein Stück näher.

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